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An den ersten beiden Tagen werden Tiere gezeichnet, in verschiedenen Techniken, hauptsächlich Pferde und Rinder, wobei Unterschiede in Proportionen und Anatomie untersucht werden. Zur Hilfe hatten wir Vorlagen von Experten der Tier-Darstellung, also künstlerische Anregungen, die einem anders weiterhelfen können als realistische Fotos. Dadurch vermeidet man, dass die Zeichnungen allzu naturalistisch werden.
 
Am 5. und 6. September 2001 waren wir auf einem Bauernhof in Sülldorf und haben Tiere vor Ort “live” zeichnerisch studiert. Pferde, Kühe, Kälber, Bullen, eine Gänseherde und eine Million Fliegen, die wir einfach ignorierten. Dabei haben wir zeichnerische Techniken angewendet, mit denen man zügig arbeiten kann, da die Tiere einem nicht den Gefallen tun, Modell zu stehen. Freitag haben wir uns dann mit Löwen beschäftigt, und nach Vorlagen Löwen-Portraits frei umgesetzt. Mit farbigen Kreiden, Buntstiften und auch Kohle haben wir sehr unterschiedliche, individuelle Löwen-Antlitze geschaffen. Vom 10. bis 12. September arbeiteten wir in Hagenbecks Tierpark, wobei uns häufiger Regen in unseren Studien beeinträchtigte. Dann sind wir ins Troparium oder andere Örtlichkeiten geflüchtet, haben dort gezeichnet und auch “einfach” nur Tiere intensiver beobachtet als man es tun würde, wenn man sie nicht zeichnen wollte.
 
Bei der Darstellung von Tieren ist es wichtig, sich ihre Gestalten genau anzusehen, sich sozusagen ein bildhaftes Gedächtnis zu entwickeln, weil man oft aus der Erinnerung arbeiten muss, da sich die “lieben Modelle” einfach nicht nach dem Künstler richten, sondern ihm durchaus auch mal ihre Kehrseite zeigen. Wenn man etwas Übung hat, kann man dann eine angefangene Zeichnung, eine bestimmte Stellung eines Tieres fertigstellen, obwohl es sich bewegt und einem verschiedene Ansichten gezeigt hat. Es ist auch wichtig, ein Gespür zu entwickeln für das über das Physische Hinausgehende, das in einem Tier lebt und aus ihm spricht. Im unterschiedlichen Verhalten der Tiere gibt es sehr interessante Beobachtungen zu machen, und wenn es einem gelingt, auch ihr Seelisches in die Darstellung zu bekommen, dann können gelungene Tierzeichnungen oder -bilder sehr lebendig wirken.
 
Bei Hagenbeck haben wir uns hauptsächlich beschäftigt mit Löwen und anderen Raubkatzen, Büffeln, Orang-Utans, einigen Exoten im Troparium und einen Vormittag mit den imponierenden Elefanten, die uns in einer Elefantenshow ihre ungeheuren Kräfte mit einigen Kunststücken zeigten. Dazu schien “altweibersommerlich” die Sonne, während uns die netten Elefanten, einen Tag nach dem schwer fassbaren Geschehen in den USA, wieder etwas aufmunterten.
 
Die letzen der Tage haben wir uns mit einem schwierig darzustellenden Thema beschäftigt, dem “Viergetier” oder auch den Gruppenseelen Löwe, Adler, Stier und Mensch und wie sie zusammenhängen. Das ist ein Thema, bei dem das Zeichnen zum Forschen wird, denn es ist problematisch, eher geistige Bilder, die man davon haben kann, physisch umzusetzen. Natürlich gibt es bei Rudolf Steiner einiges über diese Zusammenhänge zu lesen, aber es ist schwierig, diese Texte zu verstehen und genauso kompliziert, das Gelesene und dazu Gedachte und Vorgestellte in Kunst umzusetzen. Aber so nach und nach fanden wir Möglichkeiten der Gestaltung dieses Themas und nach dem Motto ”wenn´s am Schönsten ist, soll man aufhören”, war die Epoche leider in dem Augenblick zu Ende, wo dieses Thema eigentlich erst begann, Kunst zu werden.

Mathias Sander

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tier

Die Bilder und Skizzen stammen aus der Epoche Tiere mit Studenten des 2. Ausbildungsjahres